Kreisjagdverein Hofgeismar e.V. bezieht Stellung

hirschkuh mit kitz im reinhardswald

Mit freundlicher Genehmigung des Kreisjagdvereins Hofgeismar e.V. dürfen wir folgende Stellungnahme der Jägerschaft zu Windparkprojekten im Reinhardswald veröffentlichen:

Die Hofgeismarer Jägerschaft macht sich sorgen um den Reinhardswald und fordert:

Keine Windräder im Reinhardswald!

Windenergieanlagen ja, aber nicht überall und auch nicht um jeden Preis. Das fordert Uwe Groß, Vorsitzender des Kreisjagdverein Hofgeismar e.V..

Um die Energiewende erfolgreich und verantwortungsvoll umsetzen zu können müssen Speichermöglichkeiten installiert werden, die in Spitzenzeiten über Bedarf produzierten alternativen Strom in speicherbare Energie (z.B. Gas oder Wasserstoff) umsetzen. Nur mit solchen Puffermöglichkeiten kann zukünftig das Potential der Windkrafträder vollständig genutzt und ein Abgleich zwischen Energieangebot und Energiebedarf erfolgen. Masse statt Klasse auf Kosten besonders schützenwerter Gebiete wie dem Reinhardswald verbietet sich.

Die Hessische Landesregierung hat 2 % der Landesfläche als Vorrangflächen für den Bau von Windkraftanlagen ausgewiesen. Damit ist festzustellen, dass Nordhessen bei der Verteilung überrepräsentiert ist. Den Reinhardswald trifft es besonders hart. Hier sind auf einer Waldfläche von 20.000 ha mehr als 10 % der Fläche als Standort für die Windkraft vorgesehen. Das ist zu viel und droht, dieses geschlossene Waldgebiet von anerkannt ökologischer Qualität in seinem Kern zu vernichten und in eine Industrieanlage umzuwandeln.

Aus Sicht der Jäger muss eine sorgfältige Abwägung bei der Auswahl der Standorte erfolgen. Qualifizierte Gutachten von unabhängigen Gutachtern sind erforderlich, die nicht von der Planungsfirma, sondern vom Regierungspräsidium in Auftrag gegeben werden sollten. 240 Meter hohe Windräder, einschließlich der noch herzustellenden breiten Zufahrtswege für den Schwerlastbetrieb, greifen massiv in die Natur und den Landschaftsraum ein. Die seitlich der geschotterten Zuwege gerodeten Bäume werden nicht wieder aufgeforstet, damit zukünftigen Materialtransporte aufgrund ihrer Breite entsprechender Wenderadius zur Verfügung haben. Diese direkte Habitatzerstörung, bei der zusätzlich noch Tonnen von Beton und Stahl in unberührtes Erdreich eingearbeitet werden, ist eine der Hauptursachen für den globalen Verlust der biologischen Vielfalt.

Gerade das aktuelle Vorhaben, im Bereich Hahneberg/Langenberg, im zentralen nördlichen Reinhardswald 18 Windenergieanlagen zu errichten, trifft einen praktisch unzerschnittenen und für Flora und Fauna bedeutenden Lebensraum. In der Nähe befinden sich das Wildschutzgebiet Reinhardswald und angrenzend das FFH-Gebiet Weserhänge. Der Reinhardwald ist bevorzugtes Einstandsgebiet des selten vorkommenden weißen Rotwildes sowie der Wildkatze und des Luchses. Gerade im Bereich Hahneberg/Langenberg wurde die Rückkehr des Luchses durch Fotonachweise dokumentiert. Es geht aber auch um unsere anderen wildlebenden Tiere, deren Lebensraum den Jägern am Herzen liegt.

Gleichzeitig sorgt sich der Jäger nicht nur um das Wild, sondern auch die hiesige Landschaft – und das mit großer Sorge, so auch der Pressesprecher Erhardt Rüsseler. Nicht erst seit der Errichtung des Naturparks Reinhardswald in 2017 ist das außergewöhnliche Landschaftsbild des Reinhardwaldes ein Fundament für die wertschöpfende Regionalentwicklung im Altkreis Hofgeismar. Der sanfte Tourismus baucht diese noch intakte Landschaft und nutzt sie auch.

Gleichzeitig ist die Landschaftsqualität bestimmendes Element bei der Standortwahl und ein Baustein im Kampf gegen die Entsiedlung des ländlichen Raumes. Eine Kette von Windrädern auf dem Kamm des Reinhardswaldes würde die Zukunftschancen der Gemeinden im Wesertal und die gesetzlich vorgeschriebene Jagdausübung dramatisch einschränken.

Deshalb appellieren die Jägerinnen und Jäger an die Verantwortlichen, den Reinhardswald aus der Windkraftplanung heraus zu nehmen. Die Energiewende in Hessen kann und darf nicht durch 70 Windkraftanlagen zu Lasten des größten zusammenhängenden Waldgebiets Hessens gehen.

Die politisch Verantwortlichen werden aufgefordert:
Verschonen Sie die wenigen großräumigen Naturlandschaften und deren segensreiche Wirkung auf uns Menschen im Gleichklang mit der Natur.

Auch die Generationen nach uns werden es Ihnen danken.